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Symposium Kreuzeskirche Essen 11./12. Oktober 2017
h-Moll Messe
Musikwissenschaftler und Theologen befragen und deuten ein Hauptwerk Bachs

Eine Veranstaltung der Folkwang Universität der Künste und des Forums Kreuzeskirche Essen im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts von Forum Kreuzeskirche Essen, Martin Luther Forum Ruhr und Ruhr Museum Der geteilte Himmel. Reformation und religiöse Vielfalt an Rhein und Ruhr

 

Leitung:

Prof. Dr. Andreas Jacob

Prof. (stv.) Dr. Dominik Höink
 

Tagungsbericht

Das Konzert wurde vorbereitet im Rahmen eines zweitägigen Symposiums. Referenten aus Musikwissenschaft und Theologie befragten dieses zentrale Werk Johann Sebastian Bachs und kamen zu höchst interessanten Beobachtungen. Das Spektrum der behandelten Themen war weit gefasst: Musikanalytische und theologische Beiträge zur Deutung des Werkes standen neben solchen zur Entstehungs-, Editions- und Rezeptionsgeschichte. Neben regelrechten „Räubergeschichten“, die sich mit den frühen Ausgaben der Messe im 19. Jahrhundert verbinden, gelangten editorische Probleme, die sich in der Gegenwart bei der Neuausgabe gestellt haben, ebenso in den Blick wie Fragen nach den von Bach verarbeiteten Vorlagen oder nach der kompositorischen Struktur einzelner Messenteile und ihren Bezügen zur musikalischen Tradition – wie etwa dem Bezug des ersten Kyrie zur Tradition der Triosonate oder der klaren zahlenmäßigen Strukturierung der Kompositionsteile. Aber auch Fragen nach der theologischen und konfessionellen Bedeutung der Messe wurden ausführlich diskutiert. Dabei stand der Aspekt der Darstellung lutherischer Theologie im Werk Bachs und vor allem der h-Moll Messe im Zentrum. Schließlich wurden höchst unterschiedliche Phänomene der Rezeptionsgeschichte präsentiert: vom Einsatz der Messe in der katholischen Liturgie bis zu tänzerischen und theatralischen Darbietungen ohne religiösen Bezug, in denen andere Kunstformen wie Tanz und Theater als Kontrapunkte dem Bachschen Sakralwerk gegenübergestellt wurden. Im Zusammenspiel von theologischen und musikologischen Beiträgen zeigte sich einmal mehr, wie erhellend der interdisziplinäre Austausch im Bereich der Kirchenmusikforschung ist.


Nicht allein im Kontext der Vorträge, sondern vor allem im Roundtable am Mittwochabend gelangten sodann Fragen nach der Bedeutung der Komposition für die heutige kirchenmusikalische Praxis in den Fokus. Die bisweilen höchst persönlichen Stellungnahmen unterstrichen, was für eine Herausforderung es ist, diese Messe Bachs aufzuführen, und welche Wirkung sie gerade auf die mitwirkenden Sängerinnen und Sänger hat. Neben den persönlichen Erfahrungen, die SängerInnen und Chorleiter mit dem Werk verbinden, kam die Frage nach dem Einsatz der Messe innerhalb der Liturgie zur Sprache, der nicht zuletzt allein durch ihre Dimensionen erschwert wird.


In der Summe der Beiträge und Diskussionen ist mehr als deutlich geworden, dass sich trotz einer langen Forschungsgeschichte immer wieder neue Aspekte erschließen und weiterhin neue Quellen im Umfeld der Messe finden. Insofern dürfte die Tagung sowohl für die beteiligten Wissenschaftler als auch für die interessierten Sängerinnen und Sänger sowie alle Bach-Interessierten im Publikum Erhellendes und Neues zutage gefördert haben.


Die Ergebnisse des Symposiums können in einem Band nachgelesen werden, der im nächsten Jahr erscheinen wird.

Kontakt:

Prof. (stv.) Dr. Dominik Höink

Folkwang Universität der Künste
Klemensborn 39
45239 Essen
0201 4903-143
dominik.hoeink[at]folkwang-uni.de